Schlachthof Nummer 21

Stadtleben | Thomas Drescher | aus FALTER 18/08 vom 30.04.2008

MIGRANTEN Dass in einer Floridsdorfer Badewanne ein Schaf geschlachtet wurde, juckt weder Täter noch Nachbarn besonders.

Wirklich leise ist es hier nie, die Donauuferautobahn keine 100 Meter entfernt. Doch am Abend des 17. April muss ein grelles Blöken das dumpfe Rauschen der Autos durchschnitten haben. Es ist ungefähr 22.45 Uhr, als Herr A. und sein Bruder ein Schaf aus einem Lieferwagen treiben und es in den zweiten Stock eines Wohnhauses in der Floridsdorfer Puffergasse zerren. Ziel: die Badewanne ihrer Wohnung. Dort wird dem Tier mit einem langen, scharfen Messer die Kehle aufgeschlitzt. Auf den ersten Blick würde man A., 48, nicht zutrauen, auch nur einer Fliege etwas zuleide zu tun. Er trägt Badeschlapfen und ein weiß-graues Hemd mit Streifen, und vor dem Sofa strampelt sein kleiner Sohn. Wie ein Schulbub, der bei einem Streich erwischt wurde, grinst A. hin und wieder, wenn er erzählt. Auf Russisch - der Deutschkurs dauert noch neun Monate - bedankt er sich höflich für das


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