Sog in die Seele

Carsten Fastner | Extra | aus FALTER 19/08 vom 07.05.2008

MELANCHOLIA Georg Friedrich Haas schreibt eine Oper nach Jon Fosses schwarzem Roman "Melancholie". Ein Stoff wie geschaffen für den Grazer Komponisten.

Das Werk sei eine "große Trauermusik", meinte der Rezensent der Zeit, eine schwarz getönte Darstellung von Melancholie in quälenden Wiederholungen, in der die kleinste Abweichung explosive Wirkung erzeuge - ganz wie bei den Endlosketten musikalischer Tonfolgen in der Minimal Music eines Steve Reich oder Philip Glass. Oder wie im zweiten Satz, Largo e mesto, aus Ludwig van Beethovens Klaviersonate D-Dur, op. 10/3. Der Kritiker der F.A.Z. wiederum fühlte sich angesichts desselben Werkes an Johann Sebastian Bach erinnert und erkannte kompositorische Prinzipien, Leitmotive und Variationen, Rezitative und Duette einer "klangvoll imaginierten Gedankenoper".

Erstaunlich an diesen prominenten Rezensionen ist weniger, welch unterschiedliche, ja konträre Assoziationen die beiden Kritiker zu ein und demselben Werk hatten, als vielmehr die Tatsache,

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