Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 19/08 vom 07.05.2008

Wolfgang Fleischer, geboren 1943, war Heimito von Doderers Privatsekretär. Lange, ehe er 1996 seine Doderer-Biografie in Buchform vorlegte, publizierte er im Falter, aus Anlass des Gedenkjahres, Details zur Nazi- und Militärvergangenheit des exzentrischen Schriftstellers.

Doderer war unter den ersten illegalen Nazis gewesen, und zwar aus Anhängerschaft zum konservativen Historiker Heinrich Ritter von Srbik, der sich auf das Heilige Römische Reich deutscher Nation kapriziert hatte, welches Napoleon den Habsburgern 1806 bekanntlich mit Gewalt austrieb. Doderer und andere, so Fleischer, hegten die naive Vorstellung, im Dritten Reich eine Art vollendetes Zweites Reich zu erwarten.

Doderer bekam in den Dreißigerjahren Geld von seiner Mutter, einer Frau von Hügel. Um über dieses in Deutschland liegende Geld verfügen zu können, zog er nach Deutschland und ließ sich in Dachau nieder. "Der Sturz aus dem, Heiligen Römischen Reich deutscher Nation' in die Nachbarschaft eines Konzentrationslagers war mehr als genug; Doderer kam nach wenigen Monaten völlig entsetzt nach Österreich zurück. Hier warnte er jüdische Freunde und versuchte sie zum rechtzeitigen Verlassen Mitteleuropas zu bewegen. Die Trennung von den ehemaligen Nazi-Kameraden vollzog er sofort und vollständig."

Immerhin, so Fleischer, hatte er als Offizier im Ersten Weltkrieg das "Tachinieren im Verband" geübt. "Das sah so aus, dass er mit seiner Truppe etwa ein Wäldchen besetzte und mit aller gebührenden Vorsicht Wachen aufstellte, die das Herannahen eigener Leute melden mussten: drinnen im Wald gab's dann eine Art von Feriencamp, womöglich mit Badegelegenheit." So hatte Doderer ein Jahr lang weder Verwundete noch Gefallene in seiner Truppe, "aber auch keinen einzigen militärischen Erfolg - woran ihm ja wirklich nicht gelegen war". Seinen Offiziersrang erwähnte er danach nie mehr. A. T.


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