Cordoba

Der ironische Mythos

Kultur | aus FALTER 19/08 vom 07.05.2008

Die meisten Menschen, die sich dieser Tage bei Merchzilla ein T-Shirt mit der Aufschrift "Wien wird Cordoba" kaufen oder bei McDonald's den Burger "Chicken Cordoba Bleu" mampfen, waren noch gar nicht geboren, als vor genau 30 Jahren in der argentinischen Stadt Cordoba jenes WM-Zwischenrundenspiel stattfand, das in Österreich bis heute unvergessen ist. Durch ein Tor von Hans Krankl in der 88. Minute siegte Österreich gegen die Bundesrepublik Deutschland am 21. Juni 1978 mit 3:2. Es war der erste Sieg gegen den Erzrivalen seit 47 Jahren - und der bisher letzte in einem Bewerbsspiel. Die nächste Gelegenheit zum "Wunder" bietet sich am 16. Juni im Ernst-Happel-Stadion, wenn die beiden Teams im Rahmen der EM aufeinandertreffen. Viele der "Helden" von Cordoba machten internationale Karriere als Spieler oder Trainer, darunter die späteren Teamchefs Herbert Prohaska, Hans Krankl und Josef Hickersberger.

Kritiker wie der FM4-Fußballexperte Martin Blumenau machen die anhaltende Dominanz der Cordoba-Generation für die aktuelle Krise des österreichischen Fußballs mitverantwortlich und verweisen auf den sportlich zweifelhaften Wert des Spiels - beide Mannschaften hatten keine Chance mehr auf den Aufstieg. Tatsächlich ist Cordoba längst kein sportliches Phänomen mehr, sondern Folklore: Augenzwinkernd erinnert man sich an ein Spiel, von dem die meisten nur die Tore und den dazugehörenden Radiokommentar von Edi Finger senior ("I wer narrisch!") im Kopf haben. Dem Schweizer Künstler Massimo Furlan könnte es mit seiner Festwochen-Performance gelingen, den ironischen Mythos wieder in ein Fußballspiel zu verwandeln. Es wäre ein Wunder.


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