Für eine Handvoll Wähler

Joseph Gepp
Vorwort, FALTER 20/08 vom 14.05.2008

AUSLAND Die Serben haben sich nicht wegen der EU am Sonntag zu ihrer demokratischen Haltung bekannt. Sie haben es trotz ihr getan.

Gute Nachrichten aus Brüssel für Belgrad sind selten, vor der Parlamentswahl jedoch trafen gleich zwei ein: Zunächst beschlossen 17 europäische Staaten den Erlass der Visagebühren von 35 Euro für jeden ausreisewilligen Serben. In einem Land mit einem durchschnittlichen Lohnniveau von 270 Euro brutto sind 35 Euro viel Geld. Wer zudem bedenkt, dass die Grenzen für das blockfreie Jugoslawien früher offen waren, kann sich ausmalen, was die rigiden Visabestimmungen für das heutige Serbien bedeuten, in dem 70 Prozent der Bevölkerung unter 27 noch nie im Ausland waren. Doch der Gebührenerlass war nicht die einzige frohe Botschaft: Tage zuvor hatte sich die EU zu einem Stabilisierungs- und Assoziationsabkommen (SAA) mit Serbien entschlossen. Voller Stolz fuhr Boris Tadic´, Staatspräsident und Chef der proeuropäischen Demokratischen Partei, nach Brüssel,

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