Standpunkt

Niemals vergessen?

Politik | aus FALTER 20/08 vom 14.05.2008

Ist der Mensch besserungsfähig? Hat er das Recht, dass seine Taten von einst irgendwann vom Staat vergessen werden? Das ist eine grundsätzliche Frage, und das Strafrecht hat sie bis vor kurzem eindeutig beantwortet. Eine verbüßte Strafe darf, bei sonstiger Strafdrohung, nicht mehr vorgeworfen werden. Es gibt ja noch das Strafregister. Je nach Schwere der Tat bleiben dort die Verbrechen eines Menschen gespeichert, für Richter, Polizisten und künftige Arbeitgeber, die nach dem sogenannten Leumund fragen. Doch auch hier gilt irgendwann das Gebot des Vergessens. Das Tilgungsgesetz schreibt vor, wann auch das Strafregister wieder unschuldig zu sein hat. Der Mensch, so die Hypothese, ist ja besserungsfähig, resozialisierbar. War all das zu naiv? Der Fall F., aber auch andere Fälle legen es für viele nahe. Der Nationalrat beschloss, die Tilgungsfristen für Sexualstraftäter zu verlängern. Vergewaltiger dürfen nie wieder auf ein leeres Register hoffen. Sie sollten auch nie mehr Jobs mit Jugendlichen und Kindern kriegen. Es ist auch eine andere Sicht auf das Wesen des Menschen, die sich hier offenbart: Der Sexualstraftäter ist von Natur aus eine tickende Bombe, die irgendwann wieder einmal explodieren kann und daher mit einer Warnung versehen werden muss. Auch das ist letztlich nur eine Hypothese. Denn wer kennt schon die Gründe für das Böse in uns Menschen? F. K.


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