Alles Fassade?

Politik | Julia Ortner und Barbara Tóth | aus FALTER 20/08 vom 14.05.2008

ÖSTERREICH Sind Verdrängung, Wegschauen und Autoritätshörigkeit tatsächlich Teil der hiesigen Mentalität? Ein Erklärungsversuch.

Das Böse hinter der Thujenhecke heißt Josef F. Der Unhold stutzte die Büsche akkurat und versteckte sich hinter der Fassade des Kleinstadt-Biedermeiers - typisch Österreich, da sind sich die meisten Beobachter einig. Das Wesen der Alpenrepublik ist wieder Gegenstand der öffentlichen Analyse. Wie Anfang der 80er-Jahre, als Erwin Ringel, der größte Analytiker der heimischen Befindlichkeit, das Land mit seinem Werk "Die österreichische Seele" empörte. Ringels Befund: In Österreich seien durch die starken hierarchischen Strukturen mehr Leute neurotisiert als anderswo. Diese Erkenntnis veröffentlichte der Psychiater 1984 - ausgerechnet in dem Jahr, als Josef F. seine Tochter in den Keller verschleppte.

Wer dieser Tage Zeitungen liest, bekommt ein Land präsentiert, in dem "die Mozartperücke vielleicht nur eine perfide Tarnung des bösen österreichischen


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