Auf der Suche nach dem weißen Schaf

Politik | aus FALTER 20/08 vom 14.05.2008

ESSAY Nach dem Fall Josef F. wurde Österreich als "verfault", "verrückt" und "vergiftet" bezeichnet. Das ist hochmütig, meint Stuart Jeffries, Kolumnist des "Guardian".

Seit der Fall Josef F. ans Tageslicht kam, suchen Journalisten nach einer Erklärung seiner Verbrechen in der Geschichte, Kultur oder Mentalität seines Landes. Josef F. hat seine Tochter 24 Jahre in einem Verlies unter seinem Haus eingesperrt, laufend missbraucht und mit ihr sieben Kinder gezeugt.

"Etwas ist verfault im Herzen Österreichs ... eine vergiftete Vergangenheit", schrieb Tony Parsons im Mirror, und weiter: "Ein Monster wie F. kann nur in einem Land wie Österreich existieren." India Knight meinte in der Sunday Times: "Österreich scheint auf eine abscheuliche, hinterhältige und höchst entsetzliche Weise auf sexuellen Missbrauch spezialisiert zu sein." Peter Millar schrieb im Daily Mirror: "Das moderne Österreich verkörpert die Lüge über seine jüngste Vergangenheit. Seine nationale Identität gründet


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