Kommentar

Wie Manhattan ist Ottakring?

Kultur | Matthias Dusini | aus FALTER 20/08 vom 14.05.2008

Es gibt wohl kaum jemanden, der sich so gut mit der Geschichte des ehemaligen Arbeiter- und heutigen Migrantenbezirks Ottakring auskennt wie der Historiker Wolfgang Maderthaner. Im Katalog zu dem Ende dieser Woche eröffnenden Festival Soho in Ottakring (siehe auch Seite 62) beschreibt er die für diesen Stadtteil typische Mischung aus Armut, Widerstand und Hedonismus, von "des Heiligen Römischen Reiches größtem Wirtshaus" (1804) bis zu den Gürtelspelunken, in denen Nazis Lokalverbot hatten, sogar in der Nazizeit.

Maderthaner verweist aber auch auf eine Besonderheit, die ihm Mitte der 90er-Jahre bei Spaziergängen durch Neulerchenfeld auffiel. Die Fassaden mancher Gründerzeithäuser wirkten unglaublich prächtig - "wie bei einem Ringstraßenpalais". Dabei wusste er, welch Elend sich hinter diesem Schein verbarg, Einzimmerwohnungen ohne Wasser und WC, in denen mehrere Familien hausten. Sollte damit den sozialen Unterschichten vorgegaukelt werden, dass sie in derselben Stadt leben wie


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