Stadtleben

Stadtleben | aus FALTER 20/08 vom 14.05.2008

Sex

Bauchgefühl Die ersten Jahre seiner Adoleszenz verbringt man damit, alles zu tun, damit einen irgendwer angreift. Man schärft seine Spritzigkeit und verzichtet sich essenstechnisch einen Wolf, um ja in shape zu bleiben. Ein Riesenaufwand, nur damit sich wer anderer denkt: „Oh, die ist gut, die will ich angreifen.“ Irgendwann ist man dann vielleicht schwanger. Und denkt, man kann nun völlig druckfrei muffig, blad und fad werden. Man wombelt sich mit der Babywampe durchs Leben und tut gar nichts mehr, außer seine möglichst uninteressierte Ausstrahlung zu pflegen. Was passiert? Wildfremde Menschen machen Quietschgeräusche und grapschen einen an. Ich glaube, in den letzten Monaten hat mir kein Mensch mehr in die Augen geschaut. Der Bauch ist der Chef, und die, die dranhängt ist mehr oder weniger ausgelöscht. Ich bin zornig und plane, später auf der Straße Leute anzufallen und sie zu zwingen, für meinen irgendwann entbundenen, nie mehr wegzukriegenden Speckbauch huldigende Volks- und Kirchenlieder zu singen.

Heidi List

Fussball

Die Sprache des Fußballs (11) ¬Von erfolgreichen Trainern hieß es früher geheimnisvoll, sie sprächen die „Sprache der Spieler“. Niemand wusste genau, was damit gemeint war, aber alle haben es irgendwie verstanden. Trainer, denen eine solche Begabung nachgesagt wurde, waren so etwas wie Pferdeflüsterer für Kicker – Eingeweihte, die die Codes einer Spezies geknackt hatten. Komischerweise hat man von der Sprache der Spieler schon länger nichts mehr gehört. Hängt es vielleicht damit zusammen, dass in den heutzutage sehr international besetzten Mannschaften zu viele verschiedene Sprachen gesprochen werden? Kaum – sonst hätte sich etwa Ernst Happel in Belgien oder Hamburg nie durchgesetzt. Aber vielleicht ist es ja umgekehrt: Die Trainer würden die Sprache der Spieler verstehen – aber die Spieler sprechen sie nicht mehr.

Wolfgang Kralicek


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