Zwölfmal zum Mond


Klaus Nüchtern
Stadtleben | aus FALTER 20/08 vom 14.05.2008

STRASSENBAHN Von "Klein Minsk" zur Esche 430: Die Linie 21 verband das wahre Zentrum der Stadt mit ihrer grünen Lunge. Nun wich sie der U2. Vergangene Woche fuhr der 21er zum letzten Mal. Ein Nachruf.

Eigentlich hatte man sich schon (fast) an alles gewöhnt gehabt: den Staub, den Baulärm, die Verkehrsbehinderungen ... Und plötzlich war der permanente Ausnahmezustand doch einer neuen, strahlenden Normalität gewichen. Über Nacht hatten sich die Baustellen in U-Bahnstationen verwandelt: Wie Schiffe haben sie entlang der verlängerten Strecke der U2 angelegt - majestätisch, selbstbewusst und überraschend groß. Überall ragen Zylinder und Kuben aus dem Boden, die aussehen, als hätte der Pop-Art-Künstler Claes Oldenburg Teile von Herrenparfumflacons ins Riesenhafte übersetzt.

Es wäre nicht Wien, wäre diese überraschend plangemäß verlaufende Manifestation des Fortschritts - wer erwartet sich schon punktgenaue und pünktliche Bauleistungen in einer Stadt, die es geschafft hat, die

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