Unter Führung fremder Feder

Politik | Barbara Tóth | aus FALTER 21/08 vom 21.05.2008

RHETORIK Kaum ein Politiker entwirft seine Reden noch selber. Wer schreibt vor, was Kanzler und Vizekanzler später sagen? Und wie viel Macht haben die Ghostwriter der Nation?

Ein prüfender Griff an die Krawatte, dann ging es los. Als Vizekanzler Wilhelm Molterer vergangenen Mittwoch die Bühne im Großen Redoutensaal der Hofburg erklomm, verriet nur diese kleine Geste seine Nervosität. Das Manuskript zu seiner ersten "Rede zur Lage der Nation" lag schon auf dem plexigläsernen Pult bereit. Seit 25 Jahren übt sich der jeweils diensthabende Parteichef der Volkspartei am Tag der Staatsvertragsunterzeichnung in der politischen Disziplin des Vor-Publikum-Sprechens. Rund eine Stunde lang referierte Molterer, mal mit rudernden Armen, mal mit konzentriertem Blick auf seine Vorlage. Mindestens so angespannt wie der Vortragende war sein Kabinettschef Ralf Böckle in der zweiten Publikumsreihe. Seine Aufgabe war es gewesen, die Ansprache vorzubereiten.

Dass Politiker ihre Reden nicht selber schreiben,


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