Kunst Kurz

Solide Abstraktionen

Kultur | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 21/08 vom 21.05.2008

Für die solide Weiblichkeit gilt das Weben wohl als musterhafter Zeitvertreib. Inzwischen vom Stricken um Längen geschlagen, reichen seine Wurzeln bis in mythologische Gefilde zurück. Penelope saß immerhin zwanzig Jahre vor dem Webstuhl, während ihr eigentlich listiger Gatte nicht so recht wusste, wie heimkommen. Ingrid Wiener und Valie Export haben sich vor dreißig Jahren angeschickt, dem Vorurteil an Gender-Spezifität affirmativ die Spitze zu brechen und das Weben als Kunsttechnik neu zu etablieren. Sie baten Dieter Roth um eine Vorlage zur Anfertigung eines feinen Gobelins und der lieferte auch prompt eine schnäuztüchelähnliche Serviette, die dann von den beiden in gewissenhaftester Manier vergrößert nachempfunden wurde. Während Valie Export anschließend andere Projekte verfolgte, ist Ingrid Wiener dem Wandteppich als Medium treu geblieben und hat, in konzeptueller Verflochtenheit mit Dieter Roth, vier weitere Gobelins gefertigt. Die zeigen Dieter Roth und dessen Welt,


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