hundert jahre zeitausgleich

Stadtleben | Johannes Schrettle | aus FALTER 21/08 vom 21.05.2008

Kühe und Wunder

Der Lottosechser gilt als Grenze der Wahrscheinlichkeit. Wenn irgendwas weniger wahrscheinlich ist als ein Lottosechser, kann man es also Wunder nennen. Zum Beispiel dass eine Frau, wie gerade in Südafrika bekannt wurde, Zwillinge von zwei Vätern kriegt. Einer Kuh aus Seckau ist das auch schon passiert, die beiden Kälber sind mittlerweile 16 Monate alt und wohlauf. Überhaupt sind Kühe überdurchschnittlich oft von Wundern betroffen: Zum Beispiel Alma, die hundert Meter in die Tiefe stürzte, um dann auf einem heiligen Steg in den Seetaler Alpen zu landen, kurz das Bewusstsein zu verlieren und unverletzt geborgen zu werden. Dort soll jetzt ein Tibet-Zentrum entstehen, wo in der Musikschule Knappenberg hinduistische Medizin und ein bisschen Esoterik gelehrt werden. Heinrich Harrer, das passt ganz gut, hat dort schon ein Museum, und die Gemeinde Hüttenberg freut sich mitzuteilen, dass es zum Schauplatz einer großen Live-Übertragung der EM wird. Für österreichische Kicker ist diese Veranstaltung ebenfalls "wie ein Sechser im Lotto". Dessen Wahrscheinlichkeit beträgt 1,23 mal zehn hoch minus sieben, und trotzdem gehen wieder 55 Millionen Euro nach Kärnten. Und zufällig wird genau jetzt bekannt gegeben, dass ein neuer Investor bereit stehen soll, der zum Tibet-Zentrum noch das geplante Gesundheitshotel blechen will. Wäre man paranoid wie P.M. Schreber, könnte man einiges vermuten. Dazu aber nächste Woche.


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