Steirerbrauch

Stadtleben | aus FALTER 21/08 vom 21.05.2008

ERDBEERENPFLÜCKEN Dass die kleine Kapelle im Wald auf Blut gebaut war, haben die Alten gerne erzählt. Dass der Bub, dem sie viel später einen Namen erfunden haben, vor tausendundso Jahren so sehr geglaubt hat, dass er tausendundeine Qual über sich hat ergehen lassen. Ohne Wimpernzucken. Die heißen Zangen am Leib, die Nägel am Knochen, den Hobel an der Haut, das Zerren der Pferde an den Gliedern. Die Säge. Die Hunde und Ratten. Feuer. Und sie erzählen, dass es dreizehn Tage gedauert hat, bis das Leben aus dem Bubenkörper gewichen ist, von dem am Ende fast nichts mehr da war. Und dass das wohl ein Wunder war. Und wenn die Alten das erzählt haben, wenn sie die Urenkel zur Kapelle mitgenommen haben, haben die nur gleichgültig genickt und sich an den dunklen Walderdbeeren gefreut, die dort im Schatten gewachsen sind. T.W.


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