Freie Fahrt für Patrioten

Vorwort | Barbara Tóth | aus FALTER 22/08 vom 28.05.2008

KOMMENTAR Österreich ist rechtzeitig vor der Fußball-Europameisterschaft auf dem besten Weg zum Primitiv-Chauvinismus.

Das erste Massenaccessoire der Euro 2008 ist nicht mehr zu übersehen. In prallem Rot-Weiß-Rot flattern die kleinen Nationalfläggchen auf den Dächern, Spoilern und Kühlerhauben der Motorisierten. Noch wirkt dieses Zeigen von heimatlichem Nationalgefühl ein wenig ungelenk, fast verwegen und irgendwie deplatziert - schließlich hat Österreich wenig Vertrautheit im Umgang mit patriotischen Symbolen.

In Deutschland, dem Gastgeberland der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, war es nicht viel anders. Auch dort waren die schwarz-rot-goldenen Wimpel anfangs ungewohnt. Vor allem für jene, die in den Nachkriegsjahren geprägt wurden und die lernen mussten, dass Deutschsein eher mit Schuld als mit Stolz zu tun habe. Viele von ihnen saßen in den Feuilletonredaktionen der großen deutschen Tageszeitungen und verfolgten zuerst mit Unbehagen, auf welch ganz und gar unverklemmte Weise


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