Standpunkt

Der letzte Akt

Politik | aus FALTER 22/08 vom 28.05.2008

Die menschliche Tragödie mit dem Titel "Arigona" ist um einen Akt reicher. Mutter Nurje soll versucht haben, sich umzubringen. Arigona, die am Ende des Schuljahres abgeschoben werden soll, habe sie gerade noch rechtzeitig entdeckt, heißt es aus deren Umfeld. Ob Innenminister Günther Platter (ÖVP) den Selbstmordversuch als weitere Erpressung wertet? Der Gedanke klingt frivol. So fern liegt er aber nicht. Denn Platter scheint das Ausmaß des psychischen Drucks, den er auf die Familie Zogaj - im Kosovo wie in Österreich - ausübt, nicht erfassen zu können. Oder übt er ihn vorsätzlich aus? Dann darf er vom Selbstmordversuch nicht überrascht sein. Denn dann nimmt er ihn in Kauf. Natürlich gilt auch für Platter die Unschuldsvermutung. Dass nun der Druck auf ihn steige, weil die öffentliche Meinung gegen Arigona kippe, wie Kommentatoren wittern, muss den Minister nicht beeindrucken. Ja, die öffentliche Meinung schien wegen der unerwarteten Lautstärke der Zivilgesellschaft zunächst auf ihrer Seite. Die nichtöffentliche Meinung war es aber nie. Warum das nichts zur Sache tut: weil Menschlichkeit nicht zwingend das ist, was 80 von 100 Befragten darunter verstehen. Wenn Platter Arigona Anfang Juli abschieben lässt, wird das nicht nur das journalistische Sommerloch füllen. Es wird jener Tragödie ein Ende setzen, an der man seine Amtszeit rückwirkend messen wird. Noch kann er den letzten Akt umschreiben. S. A.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige