Zungenkuss im Birkenwald

Matthias Dusini / Moskau | Kultur | aus FALTER 22/08 vom 28.05.2008

KUNST Der Kunstboom hat auch Moskau längst erreicht: Während Superreiche in zeitgenössische Künstler investieren, herrscht vonseiten des Staats Zensur. Und während berüchtigte Aktionisten neuerdings die Religion entdeckt haben, kämpft die junge Szene ums Überleben.

Vor dem Zentralen Haus des Künstlers ist gerade noch Platz für den japanischen Kleinwagen von Ira Korina. Die Moskauer Künstlerin manövriert ihr Auto zwischen die in Zweierreihen parkenden SUVs; auch ihre legere Kleidung unterscheidet sie von den aufgetakelten VIPs, die zur Preview der Kunstmesse Art Moscow herbeiströmten. Zeitgenössische Kunst entwickelt sich zum Statussymbol der Moskauer Neureichen: Eine Villa im Londoner Viertel South Kensington, eine Ikonensammlung, eine Yacht und ein Anwesen an der sardischen Küste hat man ja schon. "Als ich begonnen habe, war die Kunstszene familiärer", erinnert sich die 31-jährige Korina. Sammler, nach westlichem Vorbild agierende Galerien, eine Biennale und Kunstpreise

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