Buch der Stunde

Vorstadt, brutal

Georg Renöckl | Kultur | aus FALTER 22/08 vom 28.05.2008

Seit „Keine Sorge, mir geht’s gut“ (2000), seinem inzwischen verfilmten Romandebüt, arbeitet sich Olivier Adam an der Pariser Banlieue ab. Von brennenden Autos und Straßenschlachten ist in den Büchern des längst etablierten Jungautors allerdings nichts zu lesen. Das Aufwachsen in der Vorstadt hat aus Adam keinen zornigen, sondern einen traurigen jungen Mann gemacht, dessen Romane von Resignation, Beziehungsdesastern und kaputten Familien erzählen. Auch die fotogenen Felsen von Étretat auf dem Cover seines Romans „Klippen“ stehen für ein Scheitern: Von dort hat sich die Mutter des damals elfjährigen Ich-Erzählers Olivier zu Tode gestürzt. Genau 20 Jahre nach der Katastrophe mietet Olivier ein Zimmer in dem Hotel, von dem aus die Mutter ihren letzten Weg angetreten hat. „Am Leben zu bleiben war für mich lange eine Vollzeitbeschäftigung“, lautet die Bilanz, die er in dieser langen Nacht zieht.

Traumatisiert vom Verlust der Mutter wächst das Kind „fast ohne Schreie

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