Rezension

Reine Willkür

Kultur | aus FALTER 22/08 vom 28.05.2008

Zur Linderung unerträglichen Verlangens" hieß die Sammlung von Kurzgeschichten, mit der Nathan Englander 2000 debütierte. Seinem ersten Roman hätte er im Prinzip denselben Titel verpassen können - nur dass sich das verzweifelte Verlangen in dieser traurigen Geschichte nicht mehr lindern lässt. "Das Ministerium für besondere Fälle" erzählt vor dem Hintergrund des "Schmutzigen Krieges", den Argentiniens Militärdiktatur ab 1976 gegen die eigene Bevölkerung führte, vom Schicksal einer jüdischen Familie in Buenos Aires, deren studierender Sohn eines Abends verschleppt wird.

Die Eltern nehmen die Suche nach ihm auf und landen schließlich im titelgebenden Ministerium, einem wahrhaft kafkaesken Ort mit merkwürdigen Regeln und Hierarchien. Hier regiert die reine Willkür, wie ein Vertreter des Systems erklärt: "In diesem Land währt nichts lange. Aber gleichzeitig müssen Sie doch auch wissen, dass es in Argentinien keinen Tag der Abrechnung gibt. Hier muss nie jemand für irgendetwas


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