Stadtleben

Kultur | aus FALTER 22/08 vom 28.05.2008

Sex

Hütchenspiel Termin mit meiner Versicherung. Die Beraterin war die typische Solariumblondine mit den um eine Spur zu langen Fingernägeln. Und irgendwas war mit ihren Brüsten. Die waren nicht übergroß oder überprall. Aber die Nippel, die standen weg wie zwei kleine Finger. Im Laufe der Beratung, die ich sehr unaufmerksam verfolgte, kam ich drauf: Die Dame trug Tittenhütchen! Plastikdinger, die man sich über die eigenen Brustwarzen pickt. Davon hat man bisher nur gerüchtehalber aus der Showbranche gehört. Aber hier saß mir jemand im Alltag live und direkt gegenüber und betrieb Nippelpimping. Auf einmal hatte ich Spaß wie Bolle an dem Termin. Eines der Hütchen tat mir nämlich den Gefallen, langsam abzusinken, wie Pinocchios Kopf, nachdem er fürs Lügen bestraft worden ist. Ich hab sie nicht drauf aufmerksam gemacht. Versicherung habe ich auch keine abgeschlossen. Wenn ich mal unsicher bin, kauf ich mir einfach zwei Küchentrichter, stülp sie mir drüber – und alles wird gut. Heidi List

Fussball

Die Sprache des Fußballs (13) Ob es bei den Eskimos wirklich hundert Wörter für Schnee gibt, ist umstritten. Sehr wahrscheinlich aber gibt es dort deutlich weniger Synonyme für Fußball als in unseren Breiten. In Wien nennt man den „Boin“ auch „Wuchtel“ oder „Frucht“ (zwei sehr anschauliche Sprachbilder), in Deutschland spricht man vom „runden Leder“ (obwohl der Fußball längst aus Kunststoff gefertigt wird), von der „Pille“ oder einfach nur von „dem Ding“; für den gesamten deutschen Sprachraum gültig ist der geometrisch präzise Begriff „Kugel“ (merke: der Fußball war nie eine Scheibe!). Obwohl es also mehr als genug Alternativen gibt, halten es manche Sportreporter für gutes Deutsch, wenn sie statt Ball „das Spielgerät“ sagen. Man sollte ihnen das Mikro abschalten. Wenn sie’s dann immer noch nicht verstehen, kann man auch Sprechgerät sagen. Wolfgang Kralicek


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