Fragen Sie Frau Andrea

Albinopenisse

Kultur | aus FALTER 22/08 vom 28.05.2008

Liebe Frau Andrea,

gerade ist Spargel das große Ding. Immer wieder ist dabei von „Solospargel“ die Rede, vor allem auf Speisekarten und -tafeln. Was bedeutet „Solo“, gibt’s da nur eine einzige Stange auf den Teller? Mein Freund behauptet ja, das liege daran, dass man nach Spargelgenuss lieber „solo“ die Waschräume aufsuchen sollte, weil das Pipi komisch riecht. Wieso das denn schon wieder?

Christian, Wien 2

Lieber Christian,

der Solospargel, die genitalste Delikatesse, die die gute Küche kennt, kann durchaus „zu mehrert“ serviert werden. Das Epitheton „Solo“ erwirbt der Albinospargel ab einem Durchmesser von 20 bis 25 mm. Das Liliengewächs, das entfernt mit Zwiebel, Schnittlauch, Knoblauch und Bärlauch, ja sogar mit den Agaven, Hyazinthen, Schwertlilien und Orchideen verwandt ist, kannten schon die alten Griechen als aspáragos – von spargáo, ich sprosse. Sie legten die kleinen Pimpi allerdings nicht auf ihre Teller, sondern kurierten damit Zahnschmerzen und Bienenstiche. Die europäische Küche unterscheidet den weißen Bleichspargel und den Grünspargel. Letzterer ist bei der Ernte nicht mit Erde bedeckt, genießt das Sonnenlicht, wird chlorophyllgrün und schmeckt herzhafter. Der typische Geruch des Urins nach Spargelverzehr ist auf Abbauprodukte wie S-Methyl-thioacrylat sowie dessen Methanthiol-Additionsprodukt S-Methyl-3-methylthiothioproponiat zurückzuführen. Die Wahrnehmung der stinkenden Abbauprodukte im Urin ist übrigens genetisch bedingt. Nur ein Teil der Menschheit kann die entstehenden Gerüche wahrnehmen. Dem anderen fehlen Enzyme zur Metabolisierung der Spargelaromastoffe. Hoffnung, die lebt.


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