Vorwort

Zahlen, Zahlen, Zahlen

Vorwort | Thomas Wolkinger | aus FALTER 22/08 vom 28.05.2008

Es war schon einmal mehr Verlass auf sie. Dieser Tage ist sie leider total diskreditiert. Es geht um die Zahl, die Zahl an und für sich, diesen, meint man, Ausdruck konzentrierter, auf Punkt und Komma eingedampfter Information. Zehn Deka Leberkäse - 1,09 Euro (im Angebot). Zum Beispiel. Leider ist die globalisierte Welt aber nur sehr eingeschränkt mit der Feinkostabteilung eines Supermarktes zu vergleichen. Das Grundproblem der Zahl liegt jedenfalls in der Ambivalenz ihres Plurals: Es gibt verdammt viele Zahlen. Und für jede Zahl, die sich zum Beleg eines Phänomens, das komplexer ist als Leberkäse, aufführen lässt, lässt sich eine zweite Zahl auftreiben, die dasselbe Phänomen plötzlich in gänzlich anderes Licht taucht.

Dass dergleichen keine blanke Theorie ist, gab vergangene Woche der grüne Gemeinderat und Ökonom Gerhard Wohlfahrt im Rathaus zu: "Zum Beispiel Defizit: Nahezu jede Zahl zwischen 0 und 150 Millionen ist richtig je nach Definition (...)", steht in Wohlfahrts Budgetrede.


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