Fernsehen

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 23/08 vom 04.06.2008

Sie wollte aus der Rolle des bemitleideten Hascherls, das alle beobachten, ausbrechen und selbst als Medienfrau auftreten. Natascha Kampuschs Berater hätten ihr sagen sollen, dass das in dieser Welt nicht so einfach funktioniert. Schon am Anfang ihrer neuen Talksendung "Natascha Kampusch trifft" stand das erste Ärgernis. "Vom Opfer zur selbstbewussten Frau" war da in ihrem Insert zu lesen, ein selten plumper Spruch, der auch nicht der Realität entspricht. Denn Kampuschs oft besprochenes "Selbstbewusstsein" ist Teil einer überzogenen Inszenierung, die eigenartig und surreal rüberkommt. Als sie im rosa Studio ihr erster Gast Niki Lauda onkelhaft auf ihr extremes Schicksal ansprach und sie dafür lobte, nicht die üblichen Profijournalistenfragen zu stellen, hatte das etwas Unangenehmes. Schau, wie tapfer sich das arme Mädel schlägt, gescheit und selbstbewusst ist sie auch noch! Gerade durch diese Show wirkte Kampusch zerbrechlich, schüchtern und gar nicht so tough - eben wie ein Mensch, der mit seinem Trauma ringt. Und eigentlich möchte man ihr bei der Selbsttherapie mit Studiopartnern nicht zusehen.


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