Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 24/08 vom 11.06.2008

Vor einigen Wochen war im Falter ein Text über 20 Jahre Radiopiraterie zu lesen. Dabei fehlte ein Hinweis auf die Vorläufer jener Piraten, nämlich auf Radio "Ö-Frei", das bereits vor 30 Jahren gesendet hatte. Vor 20 Jahren fand sich ein ganzer Schwerpunkt zum Thema Radio. Eva Rossmann schrieb über "Monopolrundfunk & Meinungsvielfalt", ein "Namenloser" (ein nicht genannt werden könnender ORF-Redakteur) berichtete über "Informationen als Ölfelder der Zukunft", Walter Gröbchen, damals freier ORF-Mitarbeiter, schrieb über Österreich als Radioentwicklungsland und der Medientheoretiker Marc Ries prognostizierte die Auflösung des ORF-Monopols durch die Integration der europäischen Fernsehanstalten.

Kernstück des Schwerpunkts war ein Bericht von Wolfgang Koch über Radiopiraten. Er schilderte die Jagd von Post und Polizei nach den kaum fassbaren Piraten: "Ende November gelang in Oberösterreich Radio ÖGB (,Österreich geht's blendend') der nächste Coup. In einer, Belanglos- und Niederhaltungssendung' bekundeten aus dem rabiatsozialistischen Lager stammende Akteure ihre Solidarität mit den Beschäftigten der verstaatlichten Industrie. Mit besten Grüßen an, Fritz Versetz nix', versteht sich.

Es dauerte gezählte 45 Minuten, bis die Funküberwachung den Sender im Linzer Vorort Pasching lokalisieren konnte. Doch als die Bewacher am Tatort angekommen waren, waren die Täter schon wieder ausgerückt. Wie, das blieb ein Rätsel. Herr Oberrat Mag. Wilhelm Blecha von der Post- und Telegraphendirektion hatte nämlich erklärt, dass ein Sender dieser Größe einen mobilen Einsatz unmöglich zulasse. (…) Sämtliche in Oberösterreich verfügbare Peilwagen wurden zusammengezogen. Aber einen Tag später war Radio ÖGB in Leoben, zwei Tage später in Wien zu hören." A. T.


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