Spitzendeckerlislam

Politik | aus FALTER 24/08 vom 11.06.2008

Wien und die Muslime. Das ist eine lange, vor allem auch eine erfolgreiche Geschichte, die dank der Bosniaken bis in die Monarchie zurückreicht. Anders als in Deutschland ist der Islam als Religionsgemeinschaft anerkannt und an der blauen Donau steht ein Minarett - und auch sonst scheint alles friedlich. Oder? Es mag von vielen Muslimen als grobes Unrecht empfunden werden, doch seit dem 11. September blickt die Öffentlichkeit verstärkt in sogenannte Parallelgesellschaften. Sie entdeckte dort nicht Terror und Bin Laden, aber so manch archaische Lebensform in der dritten Einwanderergeneration. Wie soll die Stadt darauf reagieren? Man könnte den Blick nach Deutschland wagen. Die Migranten Necla Kelek, Seyran Ates und Bassam Tibi kritisieren dort auf hohem Niveau den politischen Islam und sein Frauen- und Männerbild. Mal treffend, mal hysterisch. In Wien will man von solch kritischen Migranten nichts wissen. Da verbietet sich Omar Al Rawi, zugleich SPÖ-Gemeinderat und "Integrationsbeauftragter" der Glaubensgemeinde, "Zurufe von außen" (siehe Interview Seite 12). Es würden ja nur die rechten Hetzer von den Argumenten der Deutschen profitieren. Auch aus diesem Grund intervenierte Al Rawi gegen die deutsche Islamkritikerin Christine Schirrmacher. Die Angst vor den Hetzern ist berechtigt, Al Rawis Spitzendeckerlstrategie ist falsch. Die SPÖ scheint eine befruchtende Debatte zu scheuen. Davon profitiert am Ende wieder nur die FPÖ. F. K.


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