Fernsehen

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 24/08 vom 11.06.2008

Gott ist müde und will endlich schlafen. Doch sie lassen ihn nicht. Harald Schmidt bekam von der ARD wegen mieser Quoten vergangenen Herbst den Frechdachs Oliver Pocher zur Seite gestellt ("Schmidt & Pocher", Do 22.45 Uhr). Der geniale Zyniker muss seine Show mit dem primitiven Witzbold teilen, da jaulte das Feuilleton. Pocher, ein gelernter Versicherungskaufmann, war dem naturüberheblichen Schmidt-Fan zu ungebildet, zu dumm. Doch mittlerweile hat Pocher allen gezeigt, wer hier die Sendung schmeißt. Selten sieht man im Fernsehen ein Lästermaul, das so schnell schaltet, so respektlos Gemeinheiten verteilt und dabei auch sich selbst mit drastischer Härte lächerlich macht. Schmidt gibt nur mehr den elder statesman und lässt Pocher den Vortritt - auf eine charmante, großmütige Art. Und er pfeift sich auch nichts, wenn ihm Studiogäste blöd kommen wie der junge Mann aus Dornbirn vergangene Woche. Schmidt: "Was können wir anders machen?" Jüngling: "Er soll weg!" - mit Blick auf Schmidt. Der nahm es mit Gelassenheit und war nicht mal gemein zu dem Buben. Harald Schmidt hat Stil. Aber er lebt leider in einem Wachkoma.


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