Stadtrand

Kulturplagiat

Stadtleben | aus FALTER 24/08 vom 11.06.2008

Wir müssen an dieser Stelle noch einmal die Halbschalen erwähnen, auch "Kulturplakat" genannt, jene neue Werbeform eines stadtnahen Außenwerbeunternehmens. Kulturplakate sollten Schluss machen mit der Wildplakatiererei, dafür sorgen, dass Wien noch schöner wird und dass Kulturschaffende eine günstige Möglichkeit haben, auf ihre Veranstaltungen hinzuweisen. Schließlich kann sich nicht jedes Kellertheater ein Stationbranding leisten, also das Zukleistern einer kompletten U-Bahn-Station mit Reklame. (Kulturplakate kann sich aber auch nicht jeder leisten.) Dass der Kulturbegriff beim stadtnahen Werberiesen sehr weit gefasst wird, war klar, als in ursprünglich wildplakatfreien Döblinger Nobelgegenden plötzlich Halbschalenposter auftauchten, auf denen großbusige Damen für Erotikmessen warben. Genau: Eine Veranstaltung muss es sein, welcher Art auch immer. Das dachte sich auch ein Mobilfunkbetreiber und feierte zum Jubiläum eines Tarifs kurzerhand ein "Festival" in allen Filialen. Samt zugehörigem Kulturplakat. Plakatieren Supermärkte demnächst Wurst- und Käsefeste auf den Halbschalen? C. W.


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