Böse Bäume

Stadtleben | Wolfgang Paterno | aus FALTER 24/08 vom 11.06.2008

STADTMENSCH Die Schriftstellerin und Performerin Michaela Falkner ist eine Expertin der Extreme. Neuerdings trägt sie öffentlich Schimpftiraden vor.

Michaela Falkner war vor einiger Zeit für drei Tage tot. Es war ein nicht ganz schmerzfreies Dahinscheiden, der Zustand ging einher mit erheblichem Unwohlsein. Im November 2006 lud Falkner zu einer Aktion mit dem Verwirrtitel "The Execution of Ludwig" in die Säulenhalle des Museums für angewandte Kunst. Sie agierte, wie zumeist, als Zeremonienmeisterin und Vorleserin in Personalunion. Kein Punkt beendete jedoch den eigens verfassten Text, ein Schreckschusspistolenschuss hallte durch den Raum. Kunstblut. Verschmiertes Rot an Falkners Hals und auf dem Manuskript. Rosen rieselten vom Plafond. Eine fesche Leiche. Drei Tage lang blieb Falkner auf den kalten Fliesen des Museums beinah reglos liegen. Untertags lotsten die Kunstvermittler ihre jeweiligen Besuchergruppen mit erklärenden Worten ("This is contemporary art!") elegant am erstarrten


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