Sounding Jerusalem

Ein Festival der Mitte

Kultur | aus FALTER 24/08 vom 11.06.2008

Sounding Jerusalem" heißt es ab 15. Juni zum dritten Mal in der umstrittenen Hauptstadt. Der Grazer Cellist Erich Oskar Hütter, Leiter des Steirischen Kammermusikfestivals, der selbst drei Jahre in Ramallah lebte, gebar dort die Idee, unabhängig von jeglicher politischen oder religiösen Orientierung Musik mit namhaften internationalen Künstlern ins Land zu bringen. Konzerte finden im arabischen Ostjerusalem genauso statt wie im Westen sowie in kleinen palästinensischen Dörfern. Das Ambiente reicht vom Konzertsaal bis zum Volksfest, der Eintritt zu allen Konzerten ist frei. Teilweise wird das Publikum mit Panzerwägen gebracht, und es kommt dann vor, dass Palästinenser neben Israelis im Konzert sitzen und gemeinsam Musik hören. "Musiker könnten die Kraft der Musik viel mehr ausnutzen, um Grenzen zu öffnen", meint Hütter. "Als Europäer kann man hier als Bindeglied fungieren, da man sich frei bewegen kann. Und nachdem es von selbst überhaupt keinen Austausch zwischen den Religionen gibt, ist das unglaublich wichtig für die Leute vor Ort, die sich nach einem normalen Leben sehnen." "Sounding Jerusalem" soll jedenfalls "ein Festival in der Mitte" sein. "Wir lassen uns auf gar keinen Fall instrumentalisieren", sagt Hütter. Die Künstler gehen auch in Musikschulen und halten Workshops ab, um den Nachwuchs zu fördern. Besonders erfreut zeigt sich der engagierte Festivalleiter, dass Elisabeth Scharang heuer eine Dokumentation über das Ereignis dreht. Ein weiteres verbindendes Highlight findet unter dem Titel "Connecting Jerusalem" statt: ein Konzert auf Dächern der armenischen, jüdischen, christlichen und arabischen Viertel, bei dem Musiker aus Europa, Israel und Palästina gleichzeitig musizieren.


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