Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 25/08 vom 18.06.2008

Auch vor 20 Jahren waren politische Machtwechsel angesagt. Christian Rainer (heute profil-Herausgeb er) informierte die Falter-Leserschaft darüber. "Wie es der Zufall wollte, ging das Stadtfest der Wiener ÖVP nahtlos in den Fackelzug zum 1. Mai über. Der Dunst des Wertkonservativismus schwebte zwei Tage über der Stadt.

Doch die Autonomie des Zufalls lässt sich keine großkoalitionären Riten aufzwingen und reiht nunmehr den Bundeskongress der Grünen an den Sonderparteitag der Sozialistischen Partei. Bei den Grünen wie auch in der SP sollen Manager des Paradigmenwechsels zum Zug kommen, hier wie dort soll Machtkonzentration - analog dem homöopathischen Prinzip, die Krankheit mit ihrer Ursache zu bekämpfen - Demokratisierung und Aufweichen festgefahrener Strukturen bringen.

Die Delegierten zum Bundeskongress der Grünen werden Johannes Voggenhuber und Pius Strobl in einer Kampfabstimmung zu Bundesgeschäftsführern wählen. Kompetenzverlagerung nach oben durch vergrößertes Machtpotenzial der Geschäftsführung soll die Autonomie der Grünen Parlamentsfraktion einschränken, deren Abkopplung von Basis und Parteistruktur rückgängig machen. - Peter Pilz will gar nicht erst ins Ennstal fahren.

Der SP-Parteitag wird Franz Vranitzky mit überwältigender Mehrheit, beinahe einstimmig, als neuen SP-Vorsitzenden bestätigen. Das zusätzliche Amt wird ihn nicht zusätzlich belasten.

Im Gegenteil. Was er im täglichen Kleinkrieg mit einem starken Parteiobmann abstimmen müsste, kann er nun einigermaßen autonom delegieren. Allein die physische Präsenz muss er nun auf beide Funktionen verteilen. Ob ein gestärkter Vranitzky zur Auflösung struktureller Anachronismen einer Kaderorgansiation wie der SPÖ führen kann, liegt in den Tiefen homöopathischer Geheimwissenschaft verborgen." A.T.


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