Standpunkt

Panik in Weiß

Politik | aus FALTER 25/08 vom 18.06.2008

Für ihren Streik haben Österreichs Ärzte das schlechteste Datum gewählt. Als vergangenen Montag in Österreich 15.000 Ordinationen zugesperrt blieben, fand dies kaum mediale Aufmerksamkeit. Zu sehr war das Land mit dem Spiel gegen Deutschland beschäftigt. Dann wurde auch noch ein neuer SPÖ-Chef bestimmt. Dass die Jammerei der Ärztekammer fast unbeachtet blieb, ist halb so wild: Bisher haben die Mediziner nämlich nicht mit sachlichen Argumenten, sondern vor allem mit Panikmache gearbeitet. Sie verweigern sich einer vernünftigen Diskussion über mehr Qualitätskontrolle und der Einsparung bei Medikamenten. Sogar als die Regierung den Ärzten einen Kompromiss vorschlug, antworteten diese mit einem kategorischen Njet. Es gibt wenige Standesvertretungen, die so sehr in der Vergangenheit leben wie jene der Mediziner. Die Betonierermentalität zeigt sich auch in einem Schreiben der oberösterreichischen Ärztekammer. Darin wird den Streikverweigerern in den eigenen Reihen mit dem Pranger gedroht: "Wir weisen darauf hin, dass wir eine Liste mit den Namen jener Kollegen, die ihre Ordinationen trotz Beschlusses ihrer Standesvertretung geöffnet haben, in unserem Magazin OÖ-Ärzte und auf unserer Homepage veröffentlichen", heißt es da. Wer soll den Streik einer Berufsvertretung ernst nehmen, die ihre Mitglieder so zum Protest erpresst? I. B.


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