"Europa ist nicht erschüttert"

Politik | Stefan Apfl | aus FALTER 25/08 vom 18.06.2008

EU Warum das Nein der Iren die Erwartungen der europäischen Nachbarn zerstören könnte. Ein Gespräch mit dem Erweiterungsexperten Gerald Knaus.

Gerald Knaus ist dieser Tage ein vielbeschäftigter Mann. Von Kroatien über Mazedonien bis zum Bosporus stellen sich Politiker und Wirtschaftstreibende dieselbe Frage: Was bedeutet das irische Nein für unseren Weg in die EU?

Falter: Seit dem irischen Nein ist die EU wieder zurück bei der Nabelbeschau. Welche Auswirkungen hat das auf den Rand Europas?

Gerald Knaus: Keine guten. Die Nabelbeschau der EU seit 2005 ging einher mit einem Verlust ihres Einflusses, vom Balkan bis zur Türkei. Nicht zu sprechen von der Ukraine oder dem Kaukasus. Eines der Hauptziele des Lissabonner Vertrags war es, die EU zu einem erfolgreichen außenpolitischen Akteur zu machen. Das ist nun gefährdet. Und zwar nicht durch die Nichtratifizierung des Vertrags. Sondern dadurch, dass die EU uneinig, abgelenkt, unkonzentriert bei den Herausforderungen in ihrer Nachbarschaft


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