Kraliceks Festwochen-Tagebuch (6)

Kultur | aus FALTER 25/08 vom 18.06.2008

Während der Wiener Festwochen hatte der Theaterredakteur viel zu tun: Fast jeden Abend war was. Für alle, die daheimbleiben mussten, führte er Tagebuch: die für heuer letzte Lieferung mit Notizen eines Festwochenbesuchers auf der Suche nach dem Theaterglück.

Freitag, 13. Juni: Liebes Tagebuch! Die Festwochen sind wie die Formel 1: Sie machen trotz Fußball-EM weiter, als wär nix. Während die Holländer nach Weltmeister Italien auch Vizeweltmeister Frankreich vom Platz schießen, sitze ich im brut im Künstlerhaus, wo „Die Lears“ Premiere haben. Barbara Webers Inszenierung ist eine Art später Kommentar auf Luc Bondys große „Lear“-Kiste voriges Jahr im Burgtheater. Die Tragödie des starrsinnigen alten Königs wird vom hohen Ross geholt und auf Schaukelpferdniveau verkleinert: Vier Geschwister spielen für ihren (abwesenden) Papi im Wohnzimmer „König Lear“. Aber die angekündigte Abrechnung mit den Lears von heute – also den Vätern der 68er-Generation – findet nur

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