Teufelstanz im Gumminebel


Florian Klenk
Wir sind 08 | aus FALTER 25/08 vom 18.06.2008

REPORTAGE Afrikaner fallen Türken um den Hals, Huren und Hausmeister applaudieren. Die Ottakringer Straße ist Wiens schönste Fanzone.

Es ist Sonntagabend, nur noch 15 Minuten, zwei zu null für die Tschechen. Drei türkische Maurer klagen im Türkenrestaurant Kent am Brunnenmarkt, dass die Türken wie die Österreicher spielen. Die Maurer tragen jetzt auch diese traurigen rot-weiß-roten Maurersonnenhüte. Sie wissen noch nicht, dass sie in wenigen Minuten auf den Tischen tanzen werden, dass sie eine Party feiern, wie sie Ottakring schon lange nicht gesehen hat. Arda 75. Minute, Nihat 87. Minute. Dann gleich noch einmal Nihat. Rote und Gelbe zieht der Schiri, Fußtritte und blutige Köpfe übersieht er. Von den Fenstern am Yppenplatz schreien sie es schon mit in die Luft gestreckten Armen runter: Türkiye! Türkiye! Türkiye! Türkiye!

Gebetsketten wirbeln durch die Luft, Männer küssen einander. Das ganze Kent-Labyrinth, dieses Schweizerhaus der Türken, fällt sich in die Arme. Es tanzt

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