Sparsam, tierlieb, kinderlos

Joseph Gepp | Stadtleben | aus FALTER 25/08 vom 18.06.2008

STADTMENSCH Ein Wiener Serbe sammelt Vorurteile über In- und Ausländer, wettert gegen den tagtäglichen Sprachverfall und schreibt Dramolette über Personalpronomen. Die ganz eigene Welt des Goran Novakovic´.

An einem Tisch im Café Rathaus sitzt ein Mann im knallorangen Hemd und hebt nacheinander die Finger. "Erstens: Sie sind pathologisch sparsam." Wenn Serben Serben einladen, dann gebe es ganze Festbankette, erzählt Goran Novakovic´. Wenn Österreicher einladen, gebe es ein Getränk. "Zweitens: Sie mögen Tiere mehr als Menschen." Ein Hund im Bahnwaggon, das sei in Belgrad empörend, ein stinkendes Monstrum. Ein Mensch, der einen Hund küsst, das sei geradezu pervers. "Und drittens: Sie lieben die anonyme Anzeige. Wenn du einmal feierst, dann rufen sie die Polizei."

Goran Novakovic´, 46, Serbe, mag Vorurteile. Er sammelt sie und schreibt sie in Büchern nieder. Er meint, dass sie aus kulturellen Prägungen resultieren, viel über Gesellschaften aussagen - und nur überwunden werden

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