hundert jahre zeitausgleich

Stadtleben | Johannes Schrettle | aus FALTER 25/08 vom 18.06.2008

Enttäuschend!!

Wieder einmal sind die österreichischen - und die Grazer im Besonderen - Hooligans unter den Erwartungen geblieben. Während in Zürich und Basel (angeblich) Häuser brennen, wird hierzulande deeskaliert, dass einem ganz übel wird. Bürgermeister Nagl gab vor kurzem ein schlechtes Beispiel, indem er im Beisein eines Krone-Leserbriefschreibers beim Österreich-Match, in eine übergroße Fahne gehüllt, innerhalb von weniger als einer Halbzeit einen Streit schlichtete, ein Kind tröstete, eine Zeugenaussage machte und dem Leserbriefschreiber seinen Namen buchstabierte, damit der Zeugnis ablegen konnte. Krone-Leserbriefschreiber sind, by the way, sowieso überall, nur nicht dort, wo man sie braucht. Zum Beispiel ganz hinten in Straßenbahnen, wo man einsteigt, hastig versucht, sich einen Weg nach vorn zu bahnen, um eine Fahrkarte zu kaufen (ohne aber mit dem Fahrer zu sprechen), und nach fünf Metern von hochmotivierten Jungkontrolleuren aufgehalten wird. "Das kann jeder sagen", keifen sie mit spitzbübischem Grinsen, und die Hoffnung auf eine kleine Disziplinlosigkeit und vielleicht doch noch einen Polizeieinsatz funkelt aus ihren goldbraunen Augen. Aber ihre Hoffnung wird enttäuscht. So wie überhaupt auffallend viele Hoffnungen in diesem Monat enttäuscht wurden. Zum Beispiel, dass der Vatertag endlich die Bedeutung bekommt, die ihm zusteht. Aber morgen ist auch noch ein Spiel und aufgeben tut man nur ein Buch.


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