Steirerbrauch

Stadtleben | aus FALTER 25/08 vom 18.06.2008

TRÜBSALBLASEN Es war ein Regentag, der vierundzwanzigste in einer Reihe, die kein Ende nehmen wollte. Und ohne dass dazwischen auch nur irgendein Licht vom Himmel gefallen wäre. Mond, Sterne, Sonne. Nichts. Und Strom war auch aus. Kann sein. Da hat sich der Bub in seiner Not einen Kirschzweig vom Baum geschnitten und eine schlanke Trübsalflöte geschnitzt. Hat sich dabei auch die Hand gekerbt, dass es nur so geflossen ist, hat sich den Nagel gebohrt, dass ein Knirschen war. Aber dann, nach sieben Tagen dunkler Arbeit, war die Flöte fertig. Hat sie an die Lippen gelegt, hat sie voll Liebe gekostet, hat die Finger an die Form gewöhnt. Und gespielt, als hätte er im Leben nichts anderes getan. Große Trübsal! Trübsaltriumph! Vielleicht das Ende der Welt, hat der Bub gelacht, und in der Ferne das Schlagen schwerer Hufe gehört. T.W.


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