Steirerbrauch

Stadtleben | aus FALTER 26/08 vom 25.06.2008

ZOPFERLFLECHTEN Wenn am Feld der Krauthäuptel zum Stechen war und wenn gerade die Sonne dem Mittag "Hallo" gesagt hat und wenn dann auch noch die Marie bei dem Treffen sein hat müssen, weil der Salat an dem Tag auf sie gefallen ist, weil das der Mann so gewollt hat, dann hat die Marie oft einen Anfall gekriegt. Dann ist ihr das Wasser in scharfen, salzigen Bächen über das rote Gesicht und den ganzen Leib geflossen, ist aus allen Poren gesprudelt und gerade dort am stärksten, wo der Körper sich windet und beugt, Falten und Grübchen, Kehlen und Höhlen ausformt und diese dumpfen Kammern noch dazu nicht ungern mit dichtem Haar bepflanzt. Dort hat die Marie dann ein böses Brennen gespürt. Da hat sie sich gerne an die Mutter erinnert und an deren Hände, die ihr das schwarze Haar im Sommer gerne zu festen Zöpfen geflochten hat. T.W.


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