Europas Zeit läuft ab


Raimund Löw
Vorwort | aus FALTER 26/08 vom 25.06.2008

AUSLAND Die Krise nach Irlands Nein ist noch lange nicht zu Ende. Nun braucht Europa europäisch organisierte Parteien.

Europaparlamentarier sind zurückhaltend diplomatisch. Schließlich verfehlt eine Polemik, die 23-mal übersetzt werden muss, leicht ihre Wirkung. Und oft wirken fraktionsübergreifende nationale Interessen stärker als Parteiprogramme. Doch das irische Nein zum EU-Reformvertrag hat die Abgeordneten alarmiert wie selten etwas zuvor.

ÖVP-Delegationsleiter Othmar Karas, nicht gerade ein Kämpfer wider das Establishment, findet, die Regierungschefs sollten sich bei den Bürgern dringend in aller Form entschuldigen, wegen Zögerlichkeit und mangelndem Mut. Nahezu apokalyptisch klingt der sonst besonnene sozialdemokratische Fraktionschef Martin Schulz bei seiner Warnung, seit acht Jahren ratifiziere sich die EU zu Tode. Die proeuropäische Idee habe die Kraft von einst verloren: "Wo ist die Leidenschaft, die wir einmal hatten? Die Leidenschaft, die ist heute auf der anderen

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