Ohren auf

kalt | warm

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 26/08 vom 25.06.2008

Reine Gegenwart ist nicht zu haben, alles knüpft an bereits Bestehendes an. Das Vorangegangene ist nicht schlechterdings Vergangenes, sondern kann - neu gesehen und geordnet - helfen, den Anspruch auf Zeitgenossenschaft zu erheben. Wird dieses Ziel nicht angestrebt oder verfehlt, stellt sich der Eindruck des Epigonalen oder Anachronistischen ein. "noises & voices" (Extraplatte) etwa beschert einem das ein oder andere Déjà-vu, das man in den Untiefen der 90er-Jahre versunken glaubte. Das hat - etwa im Falle von "Reduced to the Max" - auch seinen eigenen Charme. Diese Mischung aus Soundsamples zwischen Bahnhof und Bassena, gefriergetrockneten Grooves, suggestiv-minimalistischen Basslinien, distanziertem Gesang und melancholischen, verhallten Sax-Girlanden, die The Monochrone Tone als Livemusik für eine Tanzperformance entwickelt haben, hätte zu Zeiten, als der New Yorker Musikschuppen The Knitting Factory noch als Epizentrum der Innovation galt, recht up to date ausgesehen.

Ganz offen


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