Von der Antithese zur Prothese

Kultur | Jan Tabor | aus FALTER 26/08 vom 25.06.2008

ARCHITEKTUR Der Glöckel-Hof, ein Meisterwerk des Austromarxisten Josef Frank am Gaudenzdorfer Gürtel, wurde Opfer einer ebenso wohlwollenden wie plumpen Modernisierung.

So ein Schreck! Wieder einmal an der Ecke Gaudenzdorfer Gürtel und Steinbauergasse stehend, glaubt man, der unscheinbare, herrlich einfache Leopoldine-Glöckel-Hof, dieser Anti-Karl-Marx-Hof des Austromarxisten Josef Frank, dieses Manifest der proletarischen Schlichtheit, das Meisterstück des ungemein feinen Spiels mit der Ästhetik der gut versteckten Proportionen und kaum wahrnehmbaren Details, sei verschwunden. Ausgetauscht.

Der große quadratische Wohnblock ist noch da. Der Glöckel-Hof hat sich bloß aufgelöst in einer ebenso wohlwollenden wie plumpen Unbarmherzigkeit einer allumfassenden Modernisierung, Renovierung und Rekonstruktion. Durchgeführt von Wien Wohnen, einer gemeindeeigenen Gesellschaft, die den Bestand an kommunalen Wohnungen verwaltetet, und unter der Aufsicht des hilflos überforderten und überlasteten

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