Stadtleben

Stadtleben | aus FALTER 26/08 vom 25.06.2008

Sex

Geflügeltes Wort Auf das Verb "vögeln" können sich irgendwie alle einigen, denen "ficken" zu drastisch, "Liebe machen" zu herumdruckserisch und "tritschkerln" zu drollig ist. Warum eigentlich? Ich glaube, ich habe noch nie Vögel vögeln sehen. Außer Hühner. Und was der Hahn da mit dem Huhn tut, sieht aus, wie wenn ein großer Bub einen kleinen über den Spielplatz treibt und ihm regelmäßig von hinten mit der flachen Hand auf den Kopf haut. Ich kann mir auf Anhieb keine vorstellen, die freiwillig derart gehuhnt werden wollen würde. Außerdem haben meine Recherchen soeben Folgendes ergeben: Vögel haben nur ein Organ zum pischen, gacken und, naja, tritschkerln. Und dieses Organ heißt bei Herr und Frau Vogel "Kloake". Und beim, naja, Liebe machen pressen beide fest ihre Kloaken aneinander. Sehr kurz und sehr oft. Nein, danke. Und dass Schnäbel beim Küssen einfach Scheiße sind, kann man sich ja vorstellen. Ich fürchte, die Welt braucht ein neues Verb.

Heidi List

Fussball

Die Sprache des Fußballs (17) Gäbe es ein Wörterbuch der Fußballsprache (wahrscheinlich gibt's eh längst eines), müsste es ständig aktualisiert werden. Es ist noch gar nicht so lange her, da war etwa ein Begriff wie die "Viererkette" völlig unbekannt - er musste erst erfunden werden. Umgekehrt wächst gerade eine Generation heran, denen Wörter wie "Libero" oder "Vorstopper" - zwei Abwehrpositionen, die durch die Viererkette obsolet wurden und nur noch in der griechischen Nationalmannschaft besetzt werden - nichts mehr sagen. Ähnliches gilt für den "Manndecker" oder den "Spielmacher", und wenn das so weitergeht, muss man sich sogar um die "Abseitsfalle" ernsthaft Sorgen machen. Aber noch ist nicht alles verloren: "Effet", "Freistoßtrick", "Schwalbe" oder "Ferserl" sind zeitlos gültig. Es gibt sie noch, die guten alten Wörter. Passen wir gut auf sie auf!

Wolfgang Kralicek


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