Schlichtes Laster

Stadtleben | Ichael Ziegelwagner | aus FALTER 26/08 vom 25.06.2008

AUS DEN AUGEN Er ist so selbstverständlich, dass man ihn gar nicht mehr sieht. Hommage an den Zigarettenautomaten. M

Unter den vielen Möglichkeiten, Menschen zu klassifizieren, ist zurzeit die Unterteilung in Raucher und Nichtraucher sehr beliebt. Für den gelegentlichen Genießer von Pfeife, Zigarre oder Zigarette ist in diesem Raster kein Platz. Was recht deutlich zeigt, dass Rauchen heute vor allem als Laster gesehen wird. Als Genussmittel, dem man in rituellen Handlungen wie Entflammen, Entspannen und Paffen huldigt, wird Tabak kaum mehr wahrgenommen. Diesem Wandel hat sich auch die Ästhetik der Zigarettenautomaten angepasst. Vor 100 Jahren glichen sie noch zwei Meter hohen bourgeoisen Pendeluhren, verziert mit neugotischen Ornamenten, kunstvoll gerahmten Sichtfenstern und Giebelkronen. Heute handelt es sich um praktikable Blechkästen ohne jeden Schnickschnack.

Die ersten "automatischen Verkaufsbehälter für Cigaretten" stammen aus den 1880er-Jahren. Damals treten die Verkaufsautomaten,


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