Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 27/08 vom 02.07.2008

Vor 20 Jahren gab es noch keine Interviews von André Müller im Falter. Aber es gab eines in der Zeit. Claus Peymann behauptete darin, Bundespräsident Kurt Waldheim habe ihn in den Nacken geküsst. Der Interviewer André Müller war damit endgültig berühmt. Dieter Bandhauer interviewte den Interviewer für den Falter.

"Falter: Machen Sie sich Notizen vor Ihren Interviews?

Müller: Notizen ist gar kein Ausdruck. ich komme da mit einem ganz großen Packen Zettel an. Ich lerne diesen Menschen auswendig.

Wie lange hat das Gespräch gedauert?

Ich glaube, es sind auf dem Tonband fünfeinhalb Stunden.

Peymann hat von neun Stunden gesprochen.

Nein, neun Stunden wären ja wunderbar.

Hat Peymann das Interview vor der Veröffentlichung gegengelesen?

Da gibt es die wildesten Gerüchte. Es wurde ihm jedenfalls zugesandt.

Von wem?

Das wird wohl der Urs Jenny vom Spiegel gewesen sein. Peymann sagt, dass er es ungeöffnet Thomas Bernhard geschickt hat. Und Bernhard hat, laut Peymann, gemeint, das sei das beste Interview, das er je gelesen hat. (…)

Sind Sie über die Zusendung verärgert?

Die Umstände sind ärgerlich, weil es eine Intrige war. Helmut Karasek vom Spiegel, der mich jetzt sehr verteidigt, war auf Urlaub. Sein Vertreter wollte verhindern, das es in der Zeit erscheint.

Sie dulden nicht, dass der Gesprächspartner vor der Veröffentlichung das Interview prüft?

Ich mache nur zur Auflage, dass Gesagtes nicht zurückgezogen werden darf. Sonst wird's lächerlich.

Warum wurde das Interview im "Spiegel" nicht veröffentlicht?

Weil zahllose Stellen entfernt werden hätten sollen. Christoph Peck meinte, dass es auch die Zeit nicht bringen würde. Darauf habe ich gesagt: Da werden Sie sich aber noch wundern." A.T.


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