Im Bett mit K.

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 27/08 vom 02.07.2008

ESSAY Die Erzählungen und Romane Franz Kafkas sind eine Zumutung: Sie führen durch stickige Räume und ungemachte Betten, verletzen ständig Grenzen der Scham und des Anstands. Vor allem muten sie dem Leser eines zu: Individualität.

"Wie schmutzig hier alles ist."

Franz Kafka, "Der Proceß"

In einem Brief, den Franz Kafka im Juli 1913 an seine Verlobte Felice Bauer schreibt, findet er auch die rare Gelegenheit, "fast eine kleine Zuneigung zum Vater oder besser Bewunderung für ihn" zu bekunden. Sie gründet darin, dass dieser - sehr im Gegensatz zum Sohn - "imstande war, das alles zu ertragen, die Mutter und mich und die Familien der Schwestern auf dem Lande und die Unordnung dort in der Sommerwohnung, wo Watte neben dem Teller liegt, wo auf den Betten eine widerliche Mischung aller möglichen Dinge zu sehen ist, wo in einem Bett die mittlere Schwester liegt, denn sie hat eine leichte Halsentzündung und ihr Mann sitzt bei ihr und nennt sie im Scherz und Ernst, mein Gold' und, mein Alles'


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