Letzte Worte

Kultur | Matthias Dusini | aus FALTER 27/08 vom 02.07.2008

KAFKA BEI WIEN Der Schriftsteller starb am 3. Juni 1924 in Kierling bei Wien. Ein Gedenkraum erinnert an seine letzten Wochen.

Im Bus 239 von Klosterneuburg Richtung Maria Gugging halten die Schüler am letzten Schultag das Zeugnis in der Hand, manche erleichtert, andere angespannt. Wird der Vater mein Versagen bestrafen? Es ist eine Szene, geeignet, auf den letzten Abschnitt in Kafkas Leben einzustimmen, an den ein kleiner Gedenkraum in Kierling erinnert. Schuldgefühle und Versagensängste prägten sein Verhältnis zu den Eltern.

An der stark befahrenen Hauptstraße liegt das ehemalige Sanatorium Dr. Hoffmann. Hierher kam der Schriftsteller im April 1924, nachdem in einer Wiener Klinik Kehlkopftuberkulose diagnostiziert worden war, und bezog ein südseitig gelegenes Zimmer mit Balkon. "Hier scheint es wirklich sehr schön zu sein", schreibt seine Freundin Dora Diamant an Kafkas Eltern. Er liege von morgens um sieben bis abends um sieben oder acht auf dem Balkon. Um zwei Uhr mittags geht


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