Pan K. is not dead

Kultur | Martin Becker | aus FALTER 27/08 vom 02.07.2008

PRAG Als Tourismusfaktor ist Kafka im Stadtbild Prags nicht zu übersehen. Aber welche Rolle spielt er für die tschechische Hauptstadt wirklich?

Natürlich muss man in Prag nicht lange nach Kafka suchen. Wenn man aus dem Eurocity steigt, fällt man ihm schon in die Arme. In der Ankunftshalle des Bahnhofs HolesÇovice, wo der Goldlack der tschechischen Hauptstadt längst ab ist - greiser Sozialismus pur: bedrohlich niedrige Decken, schäbige Sitzbänke, alte Spielautomaten. Genau hier schwebt Franz Kafka über allem. Hat man Schulklassenmassen, Zimmervermieter und Taxifahrer überstanden, stößt man unerwartet auf ein Schild an der Bahnhofshalle: "NádrazÇí Franze Kafky", Bahnhof Franz Kafka. Ausgerechnet an diesem trostlosen Ort hat man 2007 entschieden, ihm ein Denkmal zu setzen. Die Tschechischen Bahnen beweisen entweder ein Gespür für Literatur, oder für solvente Touristen, denen man gleich bei Ankunft eintrichtert: Ohne Kafka-Marionette kommt hier keiner weg.

Franz Kafka in Prag


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