Stadtleben

Stadtleben | aus FALTER 27/08 vom 02.07.2008

Sex

Multitask Neulich schauten Nachbars Porno. Zuerst dachte ich, sie hätten Besuch aus Übersee, aber dann kamen mir die vermeintlichen Konversationsfetzen, die so an mein Ohr schwappten, doch etwas einseitig und vor allem einfältig vor. "Oh yeah!" "Don't ..." "Look at it, baby." "Yeah, it's biiiig." Ich hängte derweil die Wäsche auf und kam ins Grübeln. Reden die Leute im Bett wirklich so? Oder erst, seit es Pornos gibt, weil sie denken, man müsste so reden? Wird weltweit so ein Quargel dahergelabert? Innerlich begann ich, das Gehörte ins Wienerische zu übersetzen:, "Oba jo!" "Na, ned!" "Schau hi, Oide!" "Jo, der ko wos." Nein, das ist echt nicht geil. Völlig abgeturnt und um irgendetwas Sinnvolles aus der Situation zu machen, holte ich mein Baby ans Fenster, und wir lauschten beide diesem Soundtrack. "Oh my god, do you see that!?" "Yeah - it's huuuuuuuuge!" Man kann mit Sensibilisierung für Fremdsprachen ja nicht früh genug anfangen. Und der Wortschatz ist denkbar einfach.

Heidi List

Fussball

Die Sprache des Fußballs (18) Fußballreporter verwenden oft Wörter, die es eigentlich gar nicht gibt. Oder haben Sie im Alltag schon jemals gehört, jemand sei "einen Tick zu spät" gekommen? Es wäre interessant zu untersuchen, wie solche Formulierungen entstehen, wo sie herkommen und wieso man trotzdem versteht, was gemeint ist. Wobei der "Tick" ja noch harmlos ist: Das Wort bezieht sich offenbar auf das "Ticktack" des Sekundenzeigers - es ist also eine wirklich kleine Zeitspanne, die mit dem "Tick" umschrieben wird. Was aber haben wir uns konkret unter "Nickeligkeiten" vorzustellen? Man weiß zwar aus der Erfahrung unzähliger Fernsehübertragungen, dass damit kleinere Unsportlichkeiten - meist unterhalb der Wahrnehmungsgrenze von Schiedsrichtern - bezeichnet werden. Aber was das mit dem chemischen Element Nickel zu tun hat, ist vollkommen unerklärlich.

Wolfgang Kralicek


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