Stadtrand

Schreit leiser!

Stadtleben | aus FALTER 27/08 vom 02.07.2008

Während dieser Text entsteht, ist Operngesang zu hören. Und das liegt nicht daran, dass dieses Stück Zeitung in der Staatsoper vollgeschrieben würde. Sogar der Chefredakteur ein paar Türen weiter lässt seine anspruchsvolle neue Musik nur zimmerlaut laufen. Jazznüchtern ist weg, und der Popstöger hat sicher nicht die neue Netrebko im CD-Spieler. Braucht er auch nicht, denn Frau Netrebko singt zwei Stockwerke über der "Falter"-Redaktion. Zumindest klingt es seit geraumer Zeit so, als würde die berühmte Operndame zwei Stockwerke höher fleißig üben. Bei offenen Fenstern. An einem heißen Tag, in einer schmalen Gasse, in der die Häuser ein prima Echo ergeben. Sie müssen sich das so vorstellen: "Aha-ha-ha-ha. Oho-ho-ho-ho!" Aus den Fenstern vis-à-vis schauen entnervte Büromenschen raus, Passanten auf der Straße recken ihre Hälse, ab und zu brüllt einer "Gusch!". Dazu geht dann irgendwo noch eine Autoalarmanlage los. Was aber nichts macht, denn Operngesang schluckt Verkehrslärm. Wer kann sich da konzentrieren? Wie, bitte schön, soll man da diese Spalte hier vollschreiben? Hoppla, geht ja. C. W.


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